Börsenseminare
oder die wundersame Geldvermehrung

Die Vorgehensweise:
Die Vorgehensweise verläuft in einem altbekannten Muster:...ein Inserat in der Zeitung in dem steht, daß Sie zwischen 250 und 3000 Euro nebenher verdienen können. Es wird nicht gesagt um was es geht...man muß anrufen. Auch nach einem Anruf sind Sie nicht schlauer. Es soll um Computer gehen, bleibt aber vage. Um es kennenzulernen soll man ins Hotel kommen...es würde sich lohnen.

Im Hotel angekommen erfahren Sie aber auch noch nicht um was es geht. In der ersten Stunde bekommt man eingebleut wie glücklich man doch wäre wenn man sich seine Wünsche erfüllen könnte, hätte man nur das Geld dazu.

In der zweiten Stunde erfahren Sie dann nach und nach um was es geht, bleibt aber auch hier vage, denn im Grunde erfahren Sie erst um was es geht wenn Sie nachfragen.

In der dritten Stunde werden Sie mit haarsträubenden Erfahrungsberichten weichgekocht die Sie mehr oder weniger über sich ergehen lassen müssen.

Es gibt keine Pause und der etwas ältere Mann neben mir macht schon ein ganz gequältes Gesicht weil er schmerzlich seine Pinkelpause vermißt, sich aber nicht traut aufzustehen. Die Fenster werden widerwillig nur auf Nachfrage geöffnet. Insgesamt betrachtet, erinnert diese Art des Vorgehens an "vorsätzliche Körperverletzung" und man hat das Gefühl daß man bewußtlos geredet werden soll.

Die Inhalte, oder um was geht es?

Der überraschte Zuhörer bekommt in der zweiten Stunde mitgeteilt, daß es um ein Börsenseminar geht. Mit einem Einsatz von 1000 Euro könne man in 12 Jahren, vermutlich aber in der Hälfte der Zeit, 4 Millionen Euro an der Börse verdienen, sofern man sich nur an die Vorgaben der mitgelieferten Software hält. Auf Nachfrage wird jegliches Risiko weit von sich gewiesen. Ein Risiko wäre gar nicht existent.

Da aber für die Eröffnung eines Depots bei der dafür vorgesehen Bank 3.000 Euro Ersteinlage notwendig sind, reichen die 1.000 Euro nicht. Man braucht also nochmal 2.000, also insgesamt 3.000 Euro nur für das Bankdepot.

Sollte man das Geld nicht besitzen, erfährt man daß man Ihnen helfen wird sich das Geld zu leihen. "Irgendwo geht immer was"! Wenn es sein muß von der Verwandtschaft. Sie wären ja in der Lage es nach bereits zwei Wochen wieder zurückzuzahlen. Ganz nebenbei fällt von dem Referenten der Satz, daß es sich bei diesen Börsengeschäften um sogenannte Termingeschäfte handelt. Also gute alte Optionsgeschäfte oder auch Derivate genannt. Allerdings weist der Referent dies sofort zurück...die Dinger würden anders heißen. Die Sache ist jedoch die selbe, egal welchen wohlklingenden Namen ich vergebe....es besteht ein 100%iges Verlustrisiko. Ein Totalverlust ist also so gut wie sicher was auch bei meinen Recherchen im Internet bestätigt wird, denn das angegebene Brokerhaus in Hamburg das die Software anbietet weist ebenfalls auf ein 100%iges Verlustrisiko hin. Über die Gebühren für die Transaktionen erfahren Sie nichts.

Das Seminar soll übrigens zusätzlich rund 1.500 Euro kosten incl. der Software die 600 Euro wert wäre. (Das Hamburger Brokerhaus bietet die Software aber kostenlos zum Download an.) Allerdings wird die Mehrwertsteuer unterschlagen, so daß Sie das Ganze Paket rund 2.000 Euro kostet. In der Summe will man bis jetzt etwa rund 5.000 Euro von Ihnen haben. Aber das ist noch lange nicht alles!

Bis jetzt haben Sie noch nicht erfahren wie etwas zu verdienen wäre, denn deshalb sind Sie ja eigentlich erst ins Hotel gekommen.

Man erzählt Ihnen, daß Sie diese großartige Möglichkeit Geld zu verlieren mit anderen Menschen "teilen" können und "empfehlen" sollen und vergißt dabei nicht zu erwähnen, daß es nicht um Verkauf geht, sondern um Empfehlung. Spätestens jetzt sind wir beim "Networking" angelangt, oder auch "MLM" genannt. Der gute alte Strukturvertrieb.

Sie erhalten 250 Euro für jede erfolgreiche Empfehlung. Erfolgreich ist sie dann, wenn einer Ihrer guten Bekannten, Freunde oder Verwandten ein Börsenseminar bucht und bezahlt. Dazu ist es notwendig daß Sie ein Gewerbe anmelden für lumpige 15 Euro und eine "Agentur" anmelden.

Jetzt kommt ein weiterer Pferdefuß: wenn Sie eine Agentur bei denen anmelden, erhalten Sie die 250 Euro Provision nur dann, wenn Sie vorher unterschreiben einen Dauerauftrag einzurichten in Höhe von monatlich 120 Euro und dieses Geld dem Referenten überweisen der für Sie zuständig ist. Also Ihrer "übergeordneten Agentur". Wenn Sie die Agentur nicht anmelden wollen, erhalten Sie auch keine Provision wenn Sie denen behilflich sind und Opfer zuführen.

Ganz beiläufig wird dann noch erwähnt, daß man auch sogenannte "Persönlichkeits-Seminare" besuchen kann. Spätestens hier müssen bei jedem die Alarmglocken schrillen der noch nicht bewußtlos geredet wurde. Ich kenne nur eine Gemeinschaft in Deutschland die derartige Seminare anbietet und die sind gelinde gesagt brandgefährlich für jeden der auch nur in ihre Nähe kommt.

Hier geht es einzig und alleine um den Verkauf von sündhaft teuren und absolut wertlosen und gefährlichen Seminaren. Das Vorgehen erinnert stark an "Gehirnwäsche" und ich wähle diese Vokabel nicht zufällig.

Anbieter dieser dubiosen Geschichte ist eine schweizer Aktiengesellschaft in der Gründung (Stand 2006). Die Aktien kann man noch nicht kaufen. Die Emission ist geplant mit einer Ausgabe von rund 16 Millionen Stück....eine weitere Möglichkeit sein Geld zu verlieren. Wer das Grundkapital liefert scheint ebenfalls klar....die Anbieter von sogenannten "Persönlichkeits-Seminaren"!

Fazit:

Ich kann nur Jedem anraten seine Lebenszeit anders einzusetzen als den Abend mit solchen Leuten zu verbringen die andere Menschen ins Unglück stürzen. Gierige Lügner ohne jedes Gewissen und ohne jede Moral. Diese Leute haben nicht Ihr Wohl im Auge. Von Geld verdienen...und deshalb sind Sie ja gekommen....keine Spur. Sie sollen ausgeraubt werden bis aufs letzte Hemd und weil das noch nicht reicht, ist man Ihnen auch noch beim "Schuldenmachen" behilflich. Wie ich schon sagte: "hier sind Menschen am Werk ohne jedes Gewissen und ohne jede Moral".

 

 

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